Rede zum autofreien Sonntag in der Kölner Innenstadt

Zum Antrag von “Deine Freunde” zur Durchführung eines autofreien Sonntages in der Innenstadt habe ich gestern meine erste Ratsrede gehalten und unseren rot-grünen Änderungsantrag erläutert. Es gilt wie immer das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

der hier vorliegende Antrag von “Deine Freunde” ist grundsätzlich nicht falsch, um für eine klimafreundliche Verkehrspolitik zu werben und das Bewusstsein für nachhaltige Mobilität in der Stadt zu schärfen.

Doch ganz neu ist die Idee des autofreien Sonntags ja auch wirklich nicht. Ich spreche hier nicht von den Ölkrisen-bedingten Fahrverboten in den 70ern, sondern von der Europäischen Woche der Mobilität, an der sich bis vor einiger Zeit neben München, Frankfurt und Berlin auch die Stadt Köln aufgrund unserer GRÜNEN Initiative beteiligt hatte. So gab es ja bereits autofreie Sonntage in Köln – oder zumindest Veranstaltungen, die sich so nannten. Denn wirklich autofrei war Köln nie bei dieser an den Weltkindertag angekoppelten Veranstaltung. Das bloße Absperren eines kurzen Teilstücks der Rheinuferstraße ist eher Symbolpolitik als erntsgemeinter Klimaschutz. Und dass sich die Stadt angeblich wegen klammer Kassen – es geht hier um 50.000 Euro – hier komplett zurück gezogen hat, spricht auch für sich…

Und doch hakt es auch bei dem vorliegenden Antrag.

Der Antrag konzentriert sich 1. lediglich auf die Innenstadt und lässt 2. das schon vorhandene bürgerschaftliche Engagement teilweise unberücksichtigt.

Aber es muss uns beim Klimaschutz gelingen, die gesamte Stadtgesellschaft mitzunehmen und einzubeziehen. Dies kommt im vorliegenden, an sich unterstützenswerten Antrag, leider zu kurz. Deshalb haben wir auch diesen entsprechenden Änderungsantrag gestellt, wo es unter Punkt 1 heißt: ” Entscheidend ist, dass solche Aktionstage im Rahmen der kommunalen Umwelt- und Klimaschutzpolitik durch das Bürgerengagement in den Stadtbezirken getragen werden.” Nicht nur in Ehrenfeld gibt es ja bereits entsprechendes Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, die sich für einen Tag des guten Lebens einsetzen. Und der Erfolg des letzten Jahres zeigt ja auch, dass so ein ambitioniertes Projekt wunderbar gelingen kann. Und ich freue mich auch schon auf den nächsten Tag des guten Lebens, dieses Jahr dann gleich zweimal: In Ehrenfeld und in Lindenthal. Auch dort wird wieder gezeigt werden, was alles möglich ist, wenn sich der öffentliche Raum nicht dem Diktat des Autos beugen muss!

Hier haben die Bezirksvertretungen ja den Weg geebnet, dass diese Veranstaltungen stattfinden können. Denn die Bezirksvertretungen sind auch der richtige Ort, diesen Tag zu beschließen. Nun ist auch die Stadtverwaltung gefragt, diese beiden Tage zu einem großen Erfolg werden zu lassen. Denn natürlich bedarf es neben dem ehrenamtlichen Engagement auch der professionellen Unterstützung der Verwaltung, etwa bei den verkehrsorganisatorischen Maßnahmen wie Absperrungen und Umleitungen.
Die Aufgabe der Stadt muss es in diesem Fall sein, lediglich unterstützend zu wirken und nicht von oben herab einen autofreien Tag zu konzipieren, der dann auch nur in der Innenstadt stattfinden würde. Doch gerade im Veedel kann das Bewusstsein für eine autofreie Mobilität geschärft werden. Eine einseitige Konzentration auf die Innenstadt wirkt hier im Zweifel kontraproduktiv.

Denn wenn es uns gelingen soll, aktiven Klima und Umweltschutz in Köln auch in den Köpfen zu verankern, müssen wir die Kölnerinnen und Kölner aktiv ohne Bevormundung beteiligen und sie dann bestmöglich bei der Umsetzung unterstützen. Deshalb bitte ich um Zustimmung für unseren Änderungsantrag. Für eine Bürger- und Bürgerinnen-nahe Klimaschutzpolitik in allen Veedeln. Und vielleicht ist dann ja in ein paar Jahren auch die komplette Stadt sonntags autofrei.

Wir werden natürlich auch weiterhin dran bleiben und uns dafür einsetzen, dass der Autoverkehr in Köln keine dominierende Rolle mehr einnimmt und es endlich angemessenen Platz für RadfahrerInnen und FußgängerInnen gibt.

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