Der Rheinboulevard – Ort der Begegnung oder “partyfreie Zone”?

Rheinboulevard – Diese Treppe wird partyfreie Zone

So steht es im Express vom 7. November, der befürchtet, dass der neuen Ufertreppe des Rheinboulevards das gleiche Schicksal drohen könnte wie der Domtreppe. Diese sei angeblich trotz täglicher Reinigung nicht mehr sauber zu bekommen und total versifft. Ich finde, dass wir in dieser Stadt durchaus siffigere Ecken haben und außerdem ist es schön, an so einem zentralen Platz die Möglichkeit haben, sich hinzusetzen und klönen zu können. So ist der Bahnhofsvorplatz im Gegensatz zu manch anderem Innenstadtplatz wenigstens belebt und zeugt von der Lebendigkeit der Stadt.

Doch auch unseren Oberbürgermeister Jürgen Roters plagen die Sorgen um die Sauberkeit der neuen Treppe am Rheinufer und er  lässt sich mit folgenden Worten zitieren:

[...] Das will ich auf der Ufertreppe in Deutz nicht hinnehmen. Ich will da keine Gruppen von Leuten sehen, die mit Bierkästen anrücken, um Party zu machen. Diese Treppe soll kein Ballermann werden. Wir werden zur Benutzung der Treppe Regeln erlassen – und durchsetzen.

Ich bin sehr gespannt, wie diese Regeln aussehen werden. Soll es dort wie bei der KVB zu einem Alkoholverbot kommen, um die berühmt-berüchtigten trinkwütigen Jugendlichen abzuschrecken? Oder wird dort laute Musik nicht erlaubt werden, damit am Ufer keine zu gemütliche Stimmung aufkommt? Sofern es nur um den Müll geht, der dort droht, hinterlassen zu werden, kann man dies durch die ausreichende Bereitstellung von Mülleimern einfach verhindern. Und auch die Lärmbelästigung dürfte sich am Rheinufer in Grenzen halten, wo es doch zwischen Hohenzollern- und Deutzer Brücke keine direkten AnwohnerInnen gibt.

Der Rheinboulevard ist eine große Chance, das rechtsrheinische Rheinufer zu attraktivieren. Von dort hat man einen fantastischen Blick auf die Altstadt und den Dom. In Köln mangelt es an schönen Plätzen, an denen man sich gerne aufhält und verweilt. Ziel muss es daher sein, dass sich Menschen überall in der Stadt – auch abends – gerne aufhalten. Gerade dann sollte nicht schon im Vorhinein mit abschreckenden Regeln gedroht werden. Vor allem im Sommer zieht es die KölnerInnen auch zu späterer Stunde noch raus aus ihren Wohnungen in die Parks und auf die Plätze. Ein Rheinboulevard, der nur tagsüber SpaziergängerInnen anlockt und wo abends nur tote Hose ist, wäre hier nur ein halber Gewinn für die Stadt. Andere Städte, wie zum Beispiel Bordeaux, machen vor, wie es funktionieren kann mit der Reattraktivierung des innerstädtischen Flussufers. Dort wird der Boulevard am Garonne-Ufer vor allem zu späterer Stunde erst richtig belebt und trotz “Gruppen von Leuten mit Bierkästen” wirkt es dort nicht unattraktiv.

Interessanterweise steht übrigens in einer vom Oberbürgermeister selbst herausgegeben Broschüre über den Rheinboulevard, er solle ein “Ort der Begegnung werden, wo Menschen gemächlich gehen, sich bewegen, sich präsentieren und vergnügen”. Aber anscheinend soll dies nur leise und sittsam passieren…

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