Autos raus aus Köln!?

“Autos raus aus Köln!” – So betitelt der Express die Vorstellung unseres Kommunalwahlprogramms [PDF] und stellt fest, dass dies wohl die Zornesröte ins Gesicht aller AutofahrerInnen treiben wird. Doch ganz so einfach ist die Wahrheit dann doch nicht! Ja, wir wollen mehr Platz für FußgängerInnen und RadfahrerInnen – auch manchmal zu Lasten des Autoverkehrs. Aber schauen wir uns doch einfach mal anhand der Zitate des Express an, was genau wir wirklich in der Verkehrs- und Mobilitätspolitik in der nächsten Legislatur erreichen wollen:

1. „Nur durch eine deutliche Verringerung des motorisierten Verkehrs bekommen wir eine bessere Luftqualität”

Ja, der motorisierte Individualverkehr (MIV) ist eine der Hauptquellen für Feinstaub und weitere Schadstoffe in der Stadt. Wenn wir die Luftqualität verbessern wollen, geht dies eben nur durch die deutliche Verringerung des MIV! Hier alleine auf den technischen Fortschritt zu warten, dass in ferner Zukunft die Autos weniger Schadstoffe in die Luft pusten, reicht bei weitem nicht aus. Natürlich muss die Umweltzone erweitert werden, aber das wird nicht genug sein, um die Schadstoffbelastung in Grenzen zu halten.

2. “Straßen sollen schmaler, Rad- und Gehwege breiter werden”

Ja, die allein auf Autos fixierte Stadtplanung der 70er ist eben nicht mehr zeitgemäß. Die Stadt Köln selbst meldete kürzlich, dass der Radverkehr immer mehr zunimmt. Dieser zusätzliche Verkehr kann nicht mehr sicher auf den Radwegen geführt werden, wie sie im Moment existieren – zu schmal, zu puckelig, zu unsicher. Am sichersten sind RadfahrerInnen nun mal auf der Straße im Sichtfeld der AutofahrerInnen. Der frei werdende Platz auf den Gehwegen kann dann natürlich den FußgängerInnen zugeschlagen werden. Denn auch Rollatoren, Rollstühle und Kinderwagen brauchen ihren angemessenen Platz.

3. “Fußgänger an Ampeln öfter und schneller grün bekommen, “unnötige” Ampelanlagen durch Zebrastreifen ersetzt”

Ja, wenn man auf kurzen und mittleren Distanzen FußgängerInnen wirklich fördern möchte, muss auch die Infrastruktur entsprechend angepasst werden. Denn nichts ist frustrierender, als an einer Kreuzung anzukommen, sich einzuwählen um dann teilweise trotzdem noch mehr als einen Umlauf warten zu müssen. Bei zu langen Wartezeiten wird außerdem die Bereitschaft, bei Rot zu gehen deutlich größer und die Gefahr schwerer Unfälle steigt. Wenn hingegen rasch nach der Anforderung auch die FußgängerInnen “grün” bekommen und die Ampelanlagen erkennbar logisch geschaltet sind, steigt die Bereitschaft, sich regelkonform zu verhalten. An kleineren Kreuzungen sind Ampeln oft gar nicht mehr notwendig, hier können sie oft durch Kreisverkehre oder Querungshilfen und Zebrastreifen ersetzt werden, dies wiederum dient dann auch einem besseren Verkehrsfluss.

5. “Tempo 30 in der Stadt ausgeweitet werden”.

Ja, Autos müssen nicht mit Tempo 70 über die Innere Kanalstraße brettern und mit Tempo 50 durch Wohngebiete heizen. Überhöhte Geschwindigkeit ist eine der Hauptursachen für schwere Verkehrsunfälle, von der Lärmbelästigung ganz zu schweigen. Außerdem ist es falsch, zu glauben, dass eine höhere Geschwindigkeit einen besseren Verkehrsfluss zur Folge hätte. Zum Schutz der AnwohnerInnen ist es daher richtig, in Wohngebieten Tempo 30-Zonen auszuweiten. Im Sinne der Verkehrssicherheit ist es unabdingbar, Tempo 50 wieder auf den Hauptverkehrsstraßen festzulegen, denn schneller braucht man innerstädtisch nicht zu fahren.

6. “Die Grünen wollen mehr Fahrradstraßen bauen, dort soll für Autos Tempo 30 gelten.”

Ja, es gibt Stadtteile, da hat das Fahrrad das Auto längst als Verkehrsträger Nummer Eins auf Kurzstrecken abgelöst. Dies muss sich dann auch in entsprecher Gestaltung der Infrastruktur niderschlagen. Es ist übrigens nicht so, dass Autos hier gar nicht fahren dürften, es wird lediglich der absolute Vorrang des Autos aufgehoben und Fahrräder dürfen beispielsweise nebeneinander fahren. Solche einfachen Maßnahmen sorgen dafür, dass das Fahrrad gerade auf kurzen Distanzen noch attraktiver wird, was für das Stadtklima förderlich ist.

Alles in allem lässt sich also festhalten, dass wir – von den schlimmsten Dreckschleudern mal abgesehen – die Autos also gar nicht aus Köln vertreiben wollen. Wir wollen lediglich, dass den anderen VerkehrsteilnehmerInnen endlich ihr angemessener Raum zur Verfügung gestellt wird und von einem wirklich gleichberechtigten Miteinander die Rede sein kann!

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